Wilde Briese: Biberdamm und Schwanensee

Schmatzend öffnen sich die Türen. Die Niederbarnimer Eisenbahn spuckt ein gutes Dutzend Fahrgäste auf den schmalen Bahnsteig. Einige tragen Sonnenhut und haben den hungrigen Blick erholungssuchender Großstädter. Wir sind in Zühlsdorf, einer Gemeinde im westlichen Barnim, Tor zum Briesetal.

Briesetalbrücke
Am schönsten zu Fuß. Foto: Kleine Fluchten Berlin

Ein idyllisches Bachtal, keine Stunde vom Alex entfernt, da ist mit völliger Einsamkeit nicht zu rechnen. Trotzdem gilt die Wanderung entlang der Briese als eine der schönsten im Berliner Umland. Besonders im Spätsommer, wenn das Sonnenlicht mild durch die Blätter sickert.

Wir bummeln die sonntäglich schläfrige Ortsstraße entlang, lassen die Köpfe an der Dorfkirche in den Nacken fallen. Die Kirchturmuhr zeigt halb zwölf, Zeit aufzubrechen.

Die Briese entspringt dem Wandlitzer See und fließt westlich von Birkenwerder in die Havel, gerade mal 16 Kilometer legt sie bis dahin zurück und ist auf ganzer Länge ein Naturdenkmal. Früher wurde in der Gegend Torf gestochen, heute prägen sumpfige Wiesen und naturbelassene Mischwälder aus Kiefern, Eichen, Birken und Schwarzerlen die Landschaft.

Alte Mühle Zühlsdorf
Gestern Mühle, heute Sägewerk. Foto: Kleine Fluchten Berlin

An der renovierten Zühlsdorfer Mühle, die in Wirklichkeit ein Sägewerk ist, lässt sich die Briese zum ersten Mal blicken. Um sofort wieder aus unserem Blickfeld zu verschwinden. Wir müssen einem staubigen Forstweg folgen, sind leise enttäuscht. Es riecht nach Kiefern und die Hochspannungsleitungen unter dem Himmel surren wie angriffslustige Drohnen.

Briese
Tor zur wilden Briese. Foto: Kleine Fluchten Berlin

Am Alten Forsthaus Wensickendorf ist eigentlich noch keine Zeit für eine Pause. Aber den hausgemachten Pflaumenkuchen, dazu ein Glas tiefroten, bitter-herben Holunderbeersaft zu verschmähen, wäre eine entsetzliche Dummheit.

Briese_Waldrand

 

Hinter dem Forsthaus am Waldrand führt eine schmale Holzbrücke über die Briese, die sich hier noch klammheimlich durch das sumpfige Schilf schummelt. Schon ein paar hundert Meter weiter mäandert der flache Bach munter durch den dunkelschattigen Mischwald.

Wilde Briese
Dunkel und geheimnisvoll. Foto: Kleine Fluchten Berlin

 

Biberdamm
Biber am Werk. Foto: Kleine Fluchten Berlin

Jenseits der Schlagbrücke, etwa auf halber Strecke nach Birkenwerder, verändert die Briese ihren Charakter: Aufgestaut durch Totholz und kniehohe Biberdämme, fläzt sie sich in ihrem Bett, bildet sumpfige Seen, die den Erlenbruchwald umspülen, kuschelt sich unter eine samtig grüne Decke aus Entengrütze. Schwimmende Inseln, struppig bewachsen, dümpeln im Bach.

Schwimmende_Insel

 

 

 

 

 

Vor der Hubertushütte liegt ein romantisch verwitterter Rastplatz, bei Regen findet man hier Unterschlupf.

Picknickplatz
Rastplatz an der Hubertushütte. Foto: Kleine Fluchten Berlin

Ein paar Schritte dahinter am südlichen Bachufer führt ein Steg über das Wasser: unser Logenplatz fürs Outdoor-Theater. Wie auf Bestellung gleitet eine fünfköpfige Schwanenfamilie im Slalom um die Bäume, versenkt die Schnäbel fahrig im Schilf. Ein kehliges Fauchen genügt und die Wildenten, die sich zum Baden niedergelassen haben, räumen fluchtartig die Bühne.

Briese
Schwanenparade an der Hubertusbrücke. Foto: Kleine Fluchten Berlin

Zurück auf dem Wanderweg in Richtung Birkenwerder nimmt der Ausflugsbetrieb zu. Sonntagsradler holpern mit starrem Blick und in verkrampfter Haltung über den wurzelbedeckten Pfad. Eine Familie picknickt auf einer Lichtung, irgendwo bellt ein Hund, in der Ferne rauscht die Autobahn.

Briesesteg
Bis Birkenwerder beidseitig begehbar. Foto: Kleine Fluchten Berlin

An der Kolonie Briese lockt an sonnigen Tagen eine kleine Badestelle. Wir leisten uns zum Abschluss einen Schlenker durch Birkenwerder, vorbei am Boddensee, wo man den Tag auf der riesigen Seeterrasse des Restaurants Boddensee gemütlich ausklingen lassen kann.

Boddensee
Posieren am Boddensee. Foto: Kleine Fluchten Berlin
S-Bahnhof Birkenwerder
Abschied aus dem Briesetal. Foto: Kleine Fluchten Berlin

Am S-Bahnhof Birkenwerder liegt ein entspanntes Lächeln auf unseren Gesichtern. Und damit sind wir nicht allein.

 

Wanderweg Briesetal (ca. 14 Kilometer), Route auf Google-Maps. Wer sich Zeit nehmen will, sollte für die gesamte Wanderung vier bis fünf Stunden einplanen. Am reizvollsten ist der Abschnitt zwischen Schlagbrücke und Birkenwerder, dort ist die Briese an beiden Ufern begehbar, sodass man auch einen Rundweg von Birkenwerder aus wandern kann.

Hin und weg: Mit der S2 bis Karow, dort umsteigen in die RB 27 bis Bahnhof Zühlsdorf, zurück ab Birkenwerder mit der S1 oder S8 alle 20 Minuten.

Bonustipp: Im Briesetal leben mehrere Biberfamilien, ihre Spuren sieht man überall, die Tiere selbst allerdings selten. Wer mehr erfahren möchte, sollte an einer Biberführungen teilnehmen.

 

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