„Kamera läuft!“ für den Biber im Briesetal

Es ist novembergrau, nasskalt. Der Herbst zeigt sich von seiner schmuddeligen Seite – was der wilden Schönheit der Briese keinen Abbruch tut. Im Gegenteil. Dunkel und geheimnisvoll empfängt das Flusstal die seltenen Spaziergänger, die sich zu dieser Jahreszeit noch in seine Nähe trauen.

Briesetal

Anders als bei meinem ersten Besuch im Briesetal bei Birkenwerder bin ich diesmal nicht allein auf Tour, sondern in Begleitung von Andrea Ringelstetter und ihrem rbb-Kamerateam. Für die zibb-Sendung bildschön sind wir auf den Spuren des Bibers unterwegs, der hier seit Jahren wieder heimisch ist, und treffen einen echten Kenner.

Dirk Krone, laubgrüne Kluft, den Filzhut in die Stirn gezogen, ein Fernglas vor der Brust, bahnt sich seinen Weg durch das Unterholz. Er ist Ranger im Naturpark Barnim und weiß alles über Biber, das größte Nagetier Europas, das bis zu einem Meter lang und 35 Kilo schwer werden kann. Wir folgen ihm im Entenmarsch. Jeder Schritt erzeugt ein schmatzendes Geräusch im Matsch, ein paar Krickenten flüchten hektisch übers Wasser, in der Nähe klopft ein Specht.

Stausee an der Schlagbrücke

Unterhalb der Schlagbrücke halten wir uns nah an der Briese, die eigentlich nur ein kleines Flüsschen ist, das im Wandlitzsee entspringt, auf ihrem Weg vier Seen durchfließt und nach 17 Kilometern bei Hohen Neuendorf in die Havel mündet. Früher wurde in der Gegend Torf gestochen, heute ist der Oberlauf der Briese naturbelassen, ein Schutzgebiet.

Das Geheimnis des Biberdamms

Nach ein paar hundert Metern staut sich die Briese weit über ihr schmales Bett hinaus. Ein flacher, stiller See, aus dem zwei Dutzend silbrige, mit Moos bewachsene Stämme wie vergessen aus dem Wasser ragen. Die meisten sind abgestorben, einige im Sturmwind umgeknickt. Der Auenwald im Briesetal ist zwar auf feuchte Böden eingestellt, aber dauerhaft nasse Füße machen ihm zu schaffen.

Stausee an der Briese

Quer über dem Pfad liegt eine frisch gefällte Birke, deren Rinde fein säuberlich bis auf den hellen Kern heruntergeraspelt ist. Auch an den umliegenden Baumwurzeln sind die typischen Biberspuren auszumachen. Ein Stück weiter östlich plätschert die Briese über einen hüfthohen Damm aus Stämmen, Ästen und Schlamm – das Meisterstück des pelzigen Baumeisters, der sein Revier in monatelanger Arbeit nach seinen Vorstellungen umgestaltet hat.

Kern des Unterfangens ist die Sicherung des Biberbaus: Indem der Biber den Fluss aufstaut, setzt er den Eingang zur Höhle unter Wasser und schützt sie so vor ungebetenen Gästen. Der Stausee erleichtert es ihm aber auch, Baumaterial zu transportieren, Vorräte frisch zu halten und bei Gefahr blitzschnell abzutauchen. Denn während er sich mit seinen kurzen Vorderpfoten an Land eher unbeholfen bewegt, ist er ein ausgezeichneter Schwimmer. Dabei kommt ihm sein flacher, schuppiger Schwanz zugute, den er wie ein Ruder einsetzt – weshalb ihn die Mönche im Mittelalter sogar für einen Fisch hielten, der mit dem Segen der Kirche auch zur Fastenzeit verspeist werden durfte.

Baumeister, Klimaschützer und Veganer

Was auch zur Wahrheit gehört: Außerhalb von Naturschutzgebieten genießt der Biber oft einen weniger guten Ruf. Weil er sich mit Vorliebe in Deiche gräbt und auch vor Omas Apfelbaum nicht halt macht, fordern manche sogar den Abschuss – doch bisher steht der Biber europaweit unter Schutz. Zu Recht, wie Dirk Krone findet. Zwar habe sich die Population seit den 1960er Jahren gut erholt, zwölf Familien seien allein im Briestal zuhause, aber für die zunehmend hitzegeplagten Ökosysteme sei der Biber nützlich, da er die Böden vor dem Austrocknen bewahrt und damit auch Lebensraum für gefährdete Arten schafft.

Auch sonst pflegt der Biber einen nachhaltigen Lebensstil. Er lebt ortsverbunden und sein Speiseplan ist streng vegan. Bevorzugt frisst er Kräuter, Schilf und Blätter, aber auch Rinde und Zweige weicher Hölzer wie Pappeln, Weiden oder Erlen. Und davon nicht zu knapp: etwa 1,5 Kilo Grünzeug verputzt ein Biber Tag für Tag.

Biberburg

Ranger Krone drückt uns sein Fernglas in die Hand und zeigt auf das gegenüberliegende Ufer, wo sich ein unscheinbarer Hügel aus Knüppeln, Erde und Laub an die Böschung lehnt, die Biberburg. Zu sehen bekommen wir den possierlichen Nager leider nicht, denn der ist dämmerungsaktiv und zudem auf Menschen nicht sonderlich gut zu sprechen. Also müssen wir uns mit der Vorstellung begnügen, dass er dort drüben friedlich in seiner Höhle schlummert und von neuen Bauwerken träumt.

Zum Glück – und vielleicht auch, um unserer Enttäuschung vorzubeugen – hat Dirk Krone einen präparierten Biber mitgebracht, den er für die Filmaufnahmen kameratauglich im Gehölz drapiert. Am Set geht eben nichts über eine ordentliche Requisite.

Rundweg Briesetal (ca. 6 Kilometer): Ein schöner Rundweg um die Kernzone des Schutzgebiets beginnt an der Waldschule Briesetal (Kolonie Briese) und führt an Helenequelle und Hubertusbrücke vorbei bis zur Schlagbrücke und wieder zurück. Biberdamm und Biberburg liegen kurz vor dem Wendepunkt. Eine ausgedehnte Wanderung von Birkenwerder nach Zühlsdorf (ca. 14 Kilometer) ist hier beschrieben.

Hin und weg: Mit der S1 oder der S8 nach Birkenwerder, innerhalb des Naturschutzgebiets sind die Wege auch mit einem robusten Fahrrad zu befahren.

Bonustipp: Die Sendung zibb-bildschön Birkenwerder/Briesetal wird am 26.11.2021 im Vorabendprogramm ausgestrahlt.

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