Stienitzsee Open: Laufen mit Rennpferden und musikalischen Streckenposten

Einmal im Jahr ganz vorne stehen! Im Pulk mit den einstelligen Startnummern, die wie hibbelige Rennpferde in kompressionsbestrumpften Waden vor der Startlinie tänzeln. Bei den Stienitzsee Open dürfen das sogar Hobbyläufer wie ich, ohne Rüffel zu riskieren. Doch nicht nur wegen seiner unprätentiösen, familiären Atmosphäre ist der 21-Kilometer-Crosslauf in der Nähe von Strausberg, der meist Ende August stattfindet, der große Liebling in meinem Laufkalender.

Medaille
Im Ziel gibt’s Sekt oder Selters – und eine stilechte Baumscheibe mit Branddruck. Foto: Kleine Fluchten Berlin

 

Wer rappelvolle Berliner Stadtläufe gewohnt ist, kann am Stienitzsee die Lust am entspannten Volkslauf wiederentdecken. Auch wenn sich zum 10-jährigen Bestehen in diesem Jahr rekordverdächtige 1.800 Läuferinnen und Läufer angemeldet haben, bleibt das Halbmarathonfeld im kleinen Örtchen Hennickendorf überschaubar. Denn weniger als ein Viertel der Teilnehmer geht auf die längste der drei möglichen Distanzen. Startblöcke? Nicht nötig! Drängeleien vor dem Startschuss? Gibt es nicht. Stattdessen stressfreies Laufen durch Natur pur – was nicht heißt, das diese Piste gemütlich wäre…

Auf der ersten Hälfte drehen wir eine Schleife durch das Naturschutzgebiet Lange Dammwiesen im unteren Annatal, dann geht es auf den 12 Kilometer langen Rundkurs um den See. Die meiste Zeit pflügen die Schuhe durch märkischen Sand, auf den leichteren Wegabschnitten verläuft der hügelige Parcours über wurzelbedeckte Waldwege und stoppeliges Gras. Nur selten ist es flach unter den Sohlen.

Seeweg
Wer den erreicht hat, ist fast schon am Ziel. Foto: Kleine Fluchten Berlin

 

Aber für ein hohes Tempo ist dieser Lauf ohnehin viel zu schön. Nicht nur weil die Landschaft den Ausflug lohnt. Auch die Streckenposten versorgen die Läufer mit mehr als dem üblichen  Wasser und Obst. Örtliche Vereine und Privatleute organisieren an mehr als zwanzig Stationen rund um den Stienitzsee Installationen, Musik und Performance. Artström, heißt die lokale Initiative, die Kunst und Sport zusammenbringen will.

Während meine Beine ab Kilometer zehn allmählich schwer werden, halten die Hennickendorfer meine Sinne auf Trab. Klarinetten- und Violinentöne klingen durch den Wald, der Heimatchor singt gegen meine drohenden Muskelkrämpfe an. Irgendwo wabert Kunstnebel durch das Unterholz, untermalt von leisen Piano-Melodien. Mal trabe ich unter einem Zeltdach aus Schnüren, mal durch einen provisorischen Tunnel, an dessen Ausgang eine Skulptur aus Flaschen in der Sonne funkelt.

Hinter dem Marstall ziehen mich Cheerleader mit ihrer Laola-Welle den berüchtigten Steilhang am Westufer hinauf. Jetzt ist das Gröbste geschafft, noch ein paar Treppen auf dem Wanderweg, dann tappen meine geschundenen Füße am morastigen Nordufer über den Holzsteg, der zur Feier des Tages in bunten Farben leuchtet. Beim Zieleinlauf auf dem roten Teppich darf sich dann wirklich jeder Finisher wie ein Champion fühlen.

Mehr zum Lauf findet ihr unter www.stienitzseeopen.de. Um das jährlich wechselnde Kunstprogramm zu entdecken, genügt es übrigens, sich für die 12km-Strecke anzumelden, denn die Stationen sind nur rund um den Stienitzsee herum aufgebaut.

Hin und weg: Mit der S5 nach Strausberg, von dort mit dem Shuttle-Bus (4 km) nach Hennickendorf (Start auf Google Maps); Umkleideräume, Duschen, Kleiderabgabe, Essen und Trinken gibt es – perfekt organisiert – vor Ort.

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