Im Land der wilden Orchideen: Lange Dammwiesen

Orchideen in Brandenburg? Wer durch das Kalkmoor zwischen Strausberg und Rüdersdorf streift, hat tatsächlich gute Chance, eine der hier heimischen Orchideenarten zu entdecken. Die seltenen Exoten sind sogar Namensgeber für einen lohnenswerten Rundweg um die Langen Dammwiesen. Botanische Perlen sind aber nicht das einzige, was die Wanderung entlang der östlichen Stadtgrenze von Berlin so reizvoll macht. Gerade im Herbst besticht die Landschaft mit buntem Laubwald und glitzernden Seen.

HerrenseeHerrensee

Wir starten am S-Bahnhof Hegermühle mit einem Abstecher zum Herrensee. Das flache Sumpfgewässer östliche von Strausberg ist gut versteckt hinter einem Gürtel aus Schachtelhalmen und Schilf, das in normalen Jahren kleine Inseln bildet und dem See seinen besonderen Charme verleiht. Doch der heiße Sommer hat die Uferbereiche trockengelegt, der Wasserspiegel ist niedrig und die Dürre hat rissige Erde hinterlassen. Auch das Annafließ, ein uriges Bachtal, das sich in südwestliche Richtung anschließt, ist nach dem Rekordsommer 2018 kaum mehr als ein Rinnsal.

Trotzdem lohnt der Spaziergang durch den hügeligen Mischwald, aus dem das gelbe Herbstlaub segelt. Auf Höhe des S-Bahnhofs Strausberg schwenkt der Weg nach Osten, um auf der Kuppe einer alten Bahntrasse einen Bogen um die Langen Dammwiesen zu schlagen.

Die über 200 Hektar große Kalkmoorlandschaft steht seit Jahren unter Naturschutz, Kraniche machen hier Station, auf den Weiden grasen urtümliche Heckrinder. Am nördlichen Ortsrand von Hennickendorf hat man einen besonders schönen Ausblick über das weitläufige Tal.

Der Weg, übrigens eine Etappe der 66-Seen-Rundwegs, führt weiter um den Kleinen Stienitzsee, vorbei an der Quelle und durch den Ortskern von Hennickendorf. Wer seinen Besuch vorher telefonisch angemeldet hat, kann von hier aus einen Abstecher zum Wachtelturm machen.

Am sumpfigen Ufer des Großen Stienitzsees beginnt ein romantischer Pfad über Holzbohlen und Brücken mit Badestellen und perfekten Rastplätzen. Von hier aus hat man fantastische Weitblicke über die ganze Länge des Stienitzsees bis zum Kalksteinbruch Rüdersdorf.

An der nördlichen Längsseite entfernt sich der Weg wieder vom See und verläuft durch ausgedehnten Mischwald.

Ab Tasdorf empfiehlt es sich, den Blick für einen Weile nach innen zu richten, denn der Weg über eine staubige Dorfstraße, vorbei an heruntergekommenen Gewerberuinen und alten Bahntrassen gehört definitiv nicht zu den schönsten Abschnitten dieser Wanderung.

Doch nach einer kurzen Durststrecke erreicht man das Strausberger Mühlenfließ, einen Stichkanal, der den Stienitzsee mit dem Kalksee verbindet. Man wandern nah am Fließ unter Trauerweiden und Ulmen, passiert mehrere Brücken und erreicht schließlich Rüdersdorf am Eingang des Museumsparks.

 

Hin und weg: Mit der S 5 nach Hegermühle, zwischen Lichtenberg und Stausberg verkehrt die R26 (Fahrzeit ca. 20 Minuten), zurück ab Rüdersdorf mit der Tram 88 Richtung S-Bahn Friedrichshagen, von dort mit der S 3

Strecke: Von Hegermühle nach Rüdersdorf sind es etwa 17 Kilometer, inklusive Abstecher zum Herrensee 19 Kilometer; für einen kürzeren Rundweg biete sich der Orchideenweg ab Strausberg rund um die Langen Dammwiesen an (11 Kilometer). Touren auf Google Maps.

Abstecher: Mühle Lemke – Hofladen in Hennickendorf: Dorfladen und Bäckerei (Öffnungszeiten: Mo-Fr von 8-18 Uhr, Sa 8-15 Uhr); Anschluss an den Ausfflug zum Museumspark Rüdersdorf.

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