Berlin maritim: Scampi auf der Spree-Arche

 

Der weiße Bug der Aida schiebt sich gemächlich vor die Sonne. Bullaugen schweben an uns vorbei. Die prallen Fender seufzen leise, als sich das Schiff mit seiner Backbordflanke sachte an die gelb lackierten Stahlpfähle drückt. Ein leichtes Beben geht durch den Ponton. Der Kapitän beugt sich über die Reling, sonnengegerbtes Gesicht, gestärktes Hemd, Lametta auf den Schultern, und lächelt verschmitzt auf uns herab.

Motor-Yacht
Millimeterarbeit… Foto: Kleine Fluchten Berlin

Eine Szene, die weder im Kreuzfahrthafen von Venedig noch in der Hamburger HafenCity spielt, sondern auf der auf Berliner Müggelspree. Wir sitzen auf der Terrasse der Spree-Arche, einem urigen Flussrestaurant, das zwischen Köpenick und dem Müggelsee im grünen Spreewasser dümpelt, und beobachten das Anlegemanöver. Nichts für Anfänger. Mit dem populären Amüsierschiff der Hochseeklasse hat die elegante Oldtimer-Yacht zwar außer dem Namen wenig gemein, ein über 18 Meter langes Schärenschiff wie die Aida ist an der Spree-Arche trotzdem nicht alle Tage zu Gast.

Wie eine trutzige Insel schwimmt das Ausflugslokal mitten im Fluss, vierfach verankert und nur auf dem Wasserweg zu erreichen. Wer nicht mit dem eigenen Boot anlegt, muss schwimmen. Oder sich vom Ufer mit der Fähre übersetzen lassen. Alle 15 Minuten schippert das motorbetriebene Hausfloß zwischen dem Steg am Müggelschlößchenweg und der Spree-Arche hin und her; für seine Gäste hat der Wirt sogar eine Klingel am Ufer angebracht.

Spree-Arche
Anfahrt nur auf dem Wasserweg. Foto: Kleine Fluchten Berlin

Das schwimmende Restaurant thront auf einem ausrangierten Schubkahn und ist der holzgewordene Traum von Ex-Zimmermann Frank Cotte. Der Köpenicker hat ein Faible fürs Nordische und baute seine Kate im skandinavischen Blockhausstil. Seit rund fünf Jahren ist der unkonventionelle Unternehmer Eigner, Kapitän, Koch, Kellner und Fährmann in Personalunion.

Den Innenraum seines winzigen Restaurants, in dem vielleicht 30 Leute Platz finden, hat Cotte im Stil einer rustikalen Hafenkneipe ausgebaut, mit Netzen, Paddel und Schiffsglocke vom Trödel an den Wänden. Bei schönem Wetter hoffen die meisten seiner Gäste allerdings eher auf einen Logenplatz auf dem Dach. Unter der weißen Markise lässt es sich wegen der kühlen Brise vom Müggelsee sogar an brütend heißen Sommertagen aushalten.

Scampi
Maritime Hausmannskost. Foto: Kleine Fluchten Berlin

Auf wenigen Quadratmetern Küche kocht Cotte einfach und deftig, es gibt geräucherten Fisch, Scampi-Spieße, Backkartoffeln und Buletten. Die Spree-Arche ist kein Gourmet-Tempel und auch kein Paradies für Vegetarier, aber wer ein kühles Bier und unaufgeregte Berliner Gastlichkeit sucht, wird fündig. Mit ein bisschen Glück legt zwischendurch der Eisverkäufer an.

Von unserem Tisch auf der Flussterrasse schauen wir auf großbürgerliche Villen, baufällige Werften und die Industrieruine der Berliner-Bürgerbräu-Brauerei am Friedrichshagener Spreeufer. Motorboote, Ausflugsschiffe, Flussdampfer und Kanus ziehen in einer endlosen Parade an uns vorbei. Hin und wieder schaukelt die Spree-Arche leise in den Wellen.  

Terrasse
Ganz nah am Wasser gebaut. Foto: Kleine Fluchten Berlin

Als die Aida in der Abendsonne ihre Leinen losmacht, spielt zwar keine Blaskapelle, aber wie auf Bestellung schallen Elektrobeats von einem vorbeituckernden Partyfloß herüber. Die Arme der Passiere auf Deck fliegen in die Höhe, Handykameras klicken. Berlin maritim.

Spree-Arche, Müggelschlößchenweg, Uferseite Müggelheim, www.spreearche.de, www.facebook.com/Spreearche

Öffnungszeiten: April bis September, täglich ab 12 Uhr; Oktober bis März: an Wochenenden ab 12 Uhr

Hin und weg: S-Bahnhof-Friedrichshagen, ca. 700 Meter zu Fuß oder per Fahrrad zum Spreeufer, Fußweg durch den Spreetunnel, rechts über die Liegewiese (alternativ: Tram 27 bis Krankenhaus Köpenick, ab Wendehammer ca. 900m Fußweg) oder Anreise per Boot (auf Google-Maps).

 

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