Spreepark: Vom Rummelplatz zum Landschaftspark

Der Uferweg im Plänterwald ist meine Hausstrecke. Seit mehr als fünfzehn Jahren trabe ich regelmäßig durch den Treptower Park an der Spree entlang. Vorbei am Spreepark, dem verlassenen Rummel, der wild überwuchert mitten im Forst nistet. Ich erinnere mich noch genau, wie mir der kalte Schweiß ausbrach, als ich an einem grauen, windigen Tag zum ersten Mal das Klagelied von Stahl auf Stahl hörte. Durch das Blätterdach konnte ich sehen, wie das rote Riesenrad langsam rotierte und kam mir vor wie in einem Horrorfilm. Später erfuhr ich, dass sich der Stahlkoloss frei bewegen muss, damit er der Windlast standhalten kann.

Schwanentretboote im Spreepark
Schon lange auf dem Trockenen. Foto: Kleine Fluchten

Kurz nach der Jahrtausendwende drehten sich hier die altmodischen Fahrgeschäfte noch ganz regulär. Ein Teil des Inventars stammte aus DDR-Zeiten, als das Gelände noch VEB Kulturpark hieß. Doch im Sommer 2001 kehrte plötzlich gespenstische Ruhe auf dem Gelände ein. Nachwende-Betreiber Norbert Witte hatte Insolvenz angemeldet, wenig später floh der windige Schausteller mit einigen Fahrgeschäften nach Peru, um auch dort krachend zu scheitern.

Achterbahn im Spreepark
Schon bald wieder ein offiziell zugängliches Fotomotiv? Foto: Kleine Fluchten

Sein Spreepark verwandelte sich in einen Abenteuerspielplatz für Lost-Place-Fans und Geocacher. Hobbyfotografen entdeckten die verwitterten Fahrgeschäfte, Zelte, Brücken und Stege als magische Kulisse. Leider marodierten auch Schrotträuber und Graffitisprayer über das Gelände.

Gleichzeitig kursierten hochfliegende Zukunftspläne: Ein neuer Vergnügungspark nach dem Vorbild des dänischen Tivoli sollte entstehen, Studierende wollten Permakulturen und ein potenter Investor angeblich Wohnungen ansiedeln. Nichts davon geschah. Das Gelände war mit Schulden belastet und die rechtliche Lage unklar. Aus den Schwanentretbooten, die auf dem künstlich angelegten See unter dem Riesenrad dümpelten, wucherten weiter die Schwertlilien.

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Soll auch wieder in Betrieb genommen werden. Foto: Kleine Fluchten

Auf eine private Initiative hin öffnete der Spreepark ab 2009 zeitweilig an Wochenenden für geführte Rundgänge seine Pforten, die alte Parkeisenbahn zuckelte über die mühsam freigeschlagene Schmalspurtrasse. Der Park wurde endgültig zum Mekka für Nostalgiker und Alternativtouristen. Filmteams standen Schlange. Die Bewachung verschlang Unsummen, doch Schaulustige schnitten trotzdem Löcher in den rostigen Zaun und schlichen auf eigene Faust durch das Unterholz. Eines Morgens hatten nächtliche Besucher die lebensgroßen Plastiksaurier, eine der jüngeren Attraktionen des Parks, zu Fall gebracht.

Vor zwei Jahren kaufte das Land Berlin den versunkenen Spreepark zurück. Seit neuestem befasst sich ein Entwicklungsbüro mit der Zukunft des Areals. Und was die Planer in zwei Bürgerdialogen zusammengetragen haben, klingt vielversprechend: Der Rummelplatz soll ein offener Landschaftspark werden mit Kunst, Kultur und Kletterwänden, vor allem aber mit viel Natur. Auch ein paar originale Fahrgeschäfte sollen erhalten bleiben. Die gute Botschaft für Läufer: Auch der Parkweg bleibt offen, so dass ich weiter auf meiner Hausstrecke am Spreeufer meine Runden drehen kann.

Genaueres über die aktuellen Pläne erfahrt ihr auf der Website von Grün Berlin. Eine prall gefüllte Seite mit vielen Fotos, Videos und Geschichten zum alten und neuen Spreepark findet ihr hier.

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