Reise durch „Baum & Zeit“ – Baumkronenpfad in Beelitz-Heilstätten

Männerlungenklinig
Ausblick vom Aussichtsturm in Richtung Osten, vorne die Ruinen der Lungenheilanstalt Beelitz- Heilstätten, im Hintergrund die sanierte Männerlungenheilanstalt. Foto: Kleine Fluchten Berlin

Das verwunschene Areal „Beelitz-Heilstätten“ hat in den vergangenen Jahrzehnten einige Metamorphosen erlebt: Einst eine moderne Lungenheilanstalt, die 1902 mitten im Wald eröffnet wurde, um die grassierende Tuberkulose einzudämmen, wurde es 1945 zum Kriegsschauplatz und schließlich zum größten sowjetischen Militärhospital außerhalb Russlands.

Vom modernen Sanatorium zum Lost Place

Eingang Alpenhaus
Nur noch mit Führungen zu betreten: das Alpenhaus. Foto: Kleine Fluchten Berlin

Nach dem Abzug der Sowjets 1994 fiel das Gelände in den Dornröschenschlaf. Die Natur eroberte die verspielten Backsteinbauten mit ihren Türmchen, Gauben und Rosettenfenstern zurück. Der Ort wurde zum Geheimtipp für Lost-Place-Liebhaber, Graffiti-Künstler und Foto-Enthusiasten. Lange Zeit suchte man händeringend nach Investoren. Ohne Erfolg, bis heute ist nur die ehemalige Männerheilstätte saniert. Alle anderen Gebäude sind verfallen und seit einigen Jahren nicht mehr außerhalb von Führungen zugänglich – wegen Einsturzgefahr und Vandalismus.

Kommerzielle Wiedergeburt

Blick vom Aussichtsturm in Richtung Südosten. Foto: Kleine Fluchten Berlin
Blick vom Aussichtsturm in Richtung Südosten. Foto: Kleine Fluchten Berlin

Seit neuestem erlebt ein Teil des Geländes eine kommerzielle Wiedergeburt. Am 11. September 2015 eröffnete die private Projektentwicklungsgesellschaft Beelitz-Heilstätten den Baumkronenpfad „Baum & Zeit“. Auf einer Länge von 320 Metern schlängelt sich der Pfad in bis zu 23 Metern Höhe durch die Baumkronen der weitläufigen Parkanlage. An seiner höchsten Stelle passiert der Steg das im Krieg stark zerstörte „Alpenhaus“, die ehemalige Lungenheilstätte für Frauen.

"Alpenhaus" der Lungenheilanstalt Beelitz-Heilstätten
Ende des II. Weltkrieges wurde das „Alpenhaus“, die ehemalige Frauenheilanstalt, stark zerstört, der Dachstuhl brannte aus. Foto: Kleine Fluchten Berlin

Auf Tafeln erfährt man nicht nur historische Details über die einstige Lungenheilanstalt und ihre Patienten, sondern auch Wissenswertes zum artenreichen Mischwald, der sie umgibt. Vom 40 Meter hohen Aussichtsturm, einem nüchternen Stahlkoloss, haben Besucher einen grandiosen Ausblick auf die alten Sanatoriumsgebäude, die Chirurgie und das klinikeigene Heizkraftwerk. An schönen Tagen funkelt der Berliner Fernsehturm am Horizont.

Erbsensuppe und Apfelkuchen

Aussichtsturm Baumpfad
Besonders im Herbst ist der Ausblick über das Parkgelände atemberaubend. Foto: Kleine Fluchten Berlin

Wer das Gelände aus früheren Jahren kennt, wird den morbiden Charme der verlassenen Anlage vermissen. Die gespenstische Stille ist hellen Kinderstimmen gewichen, Familien in bunten Outdoor-Klamotten sonnen sich auf Picknickbänken vor dem Parkcafé. Es gibt Erbsensuppe und Apfelkuchen. Doch der Perspektivwechsel hat auch sein Gutes: Das 360-Grad-Panorama aus luftiger Höhe eröffnet einen faszinierenden Überblick über das riesige Gelände. Wer mehr erfahren und einige Gebäude von innen sehen will, kann sich einer Führung anschließen.

Hin und weg: Mit der Regionalbahn ab Ostbahnhof bis Beelitz-Heilstätten (ca. 1 Stunde), von dort fünf Minuten Fußweg bis zum Pförtnerhaus (ausgeschildert).

Öffnungzeiten November bis März: eingeschränkt, 10-16 Uhr. Weitere Infos auf der Website des Veranstalterswww.baumundzeit.de

Umfangreiche private Website mit historischen und aktuellen Fotos von Beelitz-Heilstätten.

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